Nein, nicht in Deutschland. Leider nicht.
Holland und Belgien machen uns was vor. Blinde Menschen haben ein wesentlich besser ausgeprägtes oder besser trainiertes Gehör. Das machen sich Holland und Belgien zu nutze und setzen blinde Menschen im Ermittlungsbereich dort ein wo es auf Töne ankommt.
In Belgien sind es Ronald Adriaenssens, Sacha Van Loo und Kurt Van Raefelghem die ihre sehenden Kollegen z.B. bei Telefonüberwachungen unterstützen. Der holländische Begriff “afluisteraars” gefällt mir ja ganz gut, ein deutsches Pendant ist mir noch nicht eingefallen.
Ich begrüße ausserordentlich dass man behinderte Menschen nicht nur eingestellt werden weil man eine gesetzliche Quote zu erfüllen hat, sondern dass man sie aufgrund ihrer Fähigkeiten und Qualifikationen einstellt! Die Polizei NRW beschäftigt übrigens über 2500 Menschen mit mindestens 50% Behinderungsgrad und liegt (im Gegensatz zu vielen anderen Bundesländern) über der gesetzlichen Quote.
Auch in diesen sehr speziellen Bereichen der “Audioermittlung” die ganz speziellen Fähigkeiten der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu fördern ist eigentlich naheliegend. Man muss nur auf die Idee kommen!
Ich könnte mir auch sehr gut vorstellen, dass z.B. gehörlose Menschen im Bereich Lippenablesen eingesetzt werden. Ist zwar ein umstrittenes Thema, aber ein Pilotprojekt wäre es wert.
one
Gestern Abend hatte ich ein sehr lange Unterhaltung per Skype mit einer gehörlosen Bloggerin, Judith Göller (www.gehoerlosblog.de). Sie bloggt (hat mehrere Blogs) seit Anfang 2006 und hat Riesenspaß daran.
Ich fände es sehr spannend und würde ihr gerne das Angebot machen auch mal Barcamps zu besuchen, nur hat die Sache eben den Haken, dass sie gehörlos ist und einen Dolmetscher für Gebärdensprache bräuchte. Den kann sie natürlich selber nicht bezahlen. Es gab ja schon die (Blog-)Welle mit der Forderung nach barrierefreien Barcamps, hier hat Christiane den Stein ins Rollen gebracht. Jetzt würde ich gerne konkreter werden bevor ich Judith einlade.
Unter Punkt neun hat Christiane folgendes geschrieben:
Jemand der gehörlos ist, wird von der Veranstaltung nur mit Gebärdensprachdolmetscher profitieren können. Vielleicht findet sich ja ein Sponsor, der die Dolmetscher finanziert, sofern sich gehörlose Teilnehmer anmelden.Vorher unbedingt mit den gehörlosen Teilnehmern abstimmen, wann die Dolmetscher benötigt werden!
Seht ihr eine Chance Dolmetscher für Barcamps mit in die Finanzierung aufzunehmen oder sprengt das den Rahmen? Kostenpunkt pro Stunde ca. 40-50 Euro. Sicher könnte man versuchen bei einer Zweitagesveranstaltung einen Sonderpreis auszuhandeln, aber billig wird die Sache dadurch trotzdem nicht….
Alternativ würde ich mal checken, ob es Fördermittel von Stiftungen / Wohlfahrtsverbänden (o.ä.) dafür gibt. Sponsoren wären natürlich einfacher, bei Stiftungen ist der Papierkram locker vergleichbar mit Behörden. Wenn jemand hier Verbindungen hat, bitte melden!
Und wenn einmal ein Dolmetscher da wäre, kämen wahrscheinlich einige gehörlose Web 2.0 Jünger. Also liebe BarcamporganisatorInnen, ich freue mich auf euer Engagement!
2 com