“Alte” RFID Chips müssen nicht immer in den Müll geschmissen werden. Selbst hier ist Recycling angesagt um nach dem eigentlichen Dasein zum Beispiel als Markierung von Tieren noch einen Nutzen zu erfüllen. Sesamonet heißt das Zauberwort. Secure and Safe Mobility Network. In Laveno Mombello (Italien) wurden gebrauchte RFID Chips im Abstand von jeweils 60 cm auf einer Gesamtlänge von zwei Kilometern in den Boden eingelassen und weisen jetzt blinden Menschen mit speziellen Langstöcken den Weg.
Na endlich, das ist wieder eine Meldung wie ich sie liebe! Herzlichen Glückwunsch an Judith Hartmann, die am 27.02.2008 als gehörlose Rechtsanwältin in Hamburg vereidigt wird.
Ich spare mir die Wiederholung der Kobinet Meldung, dort ist alles enthalten!
110 – Notrufnummer der Polizei, kostenlos aus allen Netzen, 24 Stunden erreichbar
112 – Notrufnummer der Feuerwehr, kostenlos aus allen Netzen, 24 Stunden erreichbar, über Handy auch noch ohne SIM Karte
115 – Einheitliche Behördenrufnummer, gebührenpflichtig, noch in Planung, bestimmte Zeiten
116 116 – Zentrale Anlaufstelle zur Sperrung elektronischer Berechtigungen, kostenlos aus allen Netzen, 24 Stunden erreichbar
Viele der o.a. Nummer sind auch für Menschen mit Hör- oder Sprachbehinderungen per Fax erreichbar. SMS ist wegen fehlender Übermittlung in Echtzeit nicht geeignet als Notfallmeldemittel. Die Feuerwehr der Schweiz (Genf) hat die Bedeutung ihrer Notrufnummer 118 in einem sehr gut gemachten Video präsentiert. Das ist Öffentlichkeitsarbeit nach meinem Geschmack.
Wer braucht denn so was? Spätertaubte und Schwerhörige nutzen diesen Servie gerne. Persönlich habe ich schon einige Vorträge gehalten bei denen neben Dolmetschern für Gebärdensprache und einer Induktionsanlage auch Schriftdolmetscher anwesend waren.
Nichts gegen den Beruf des Schriftdolmetschens, aber als ich nachher das von mir gesprochene und durch die Dolmetscher verschriftete gelesen habe, war ich sehr erschrocken. DAS soll ich gesagt haben? Nie im Leben. Ohne den Schriftdolmetschern etwas zu wollen, so schnell wie Menschen sprechen kann man nicht mitschreiben.
Das habe ich jetzt eben mehrfach selber erlebt. Oder ich hatte einfach nur Pech mit den handelnden Personen. Davon gehe ich eher aus.
Jetzt kommt aber morderne Technologie hinzu. Spracherkennung. Ok, gibt es schon länger, aber die Erkennungsleistung ist in den letzten Jahren wie auch bei der Handschrifterkennung erheblich verbessert worden. Normal gesprochene Texte, nicht besonders langsam oder extrem artikuliert gesprochen werden mit einer an 100% grenzenden Genauigkeit erkannt und verschriftet.
Und genau hier sehe ich auch eine gute Einsatzmöglichkeit für Schriftdolmetschung. Wikipedia spricht zwar schon davon dass diese Möglichkeit im Einsatz ist, aber live gesehen habe ich es noch nicht. Wahrscheinlich lassen solche Entwicklungen Berufe wie Schriftdolmetscher in ihren Grundfesten wanken. Braucht man in fünf Jahre noch Schriftdolmetscher? Braucht man in fünf Jahren noch Schreibkräfte oder sprechen wie dann schon alle mit unseren PCs?
Ich finde es schön dass IT Menschen mit Behinderung immer besser unterstützen kann, aber IT Unterstützung hat auch Nachteile. Verbände befürchten z.B., dass taktile Fähigkeiten von blinden Menschen wie das Lesen von Brailleschrift mit den Fingern zurückgeht weil man es sich ja einfacher vorlesen kann. Schöne Zukunft?
Holland und Belgien machen uns was vor. Blinde Menschen haben ein wesentlich besser ausgeprägtes oder besser trainiertes Gehör. Das machen sich Holland und Belgien zu nutze und setzen blinde Menschen im Ermittlungsbereich dort ein wo es auf Töne ankommt.
In Belgien sind es Ronald Adriaenssens, Sacha Van Loo und Kurt Van Raefelghem die ihre sehenden Kollegen z.B. bei Telefonüberwachungen unterstützen. Der holländische Begriff “afluisteraars” gefällt mir ja ganz gut, ein deutsches Pendant ist mir noch nicht eingefallen.
Ich begrüße ausserordentlich dass man behinderte Menschen nicht nur eingestellt werden weil man eine gesetzliche Quote zu erfüllen hat, sondern dass man sie aufgrund ihrer Fähigkeiten und Qualifikationen einstellt! Die Polizei NRW beschäftigt übrigens über 2500 Menschen mit mindestens 50% Behinderungsgrad und liegt (im Gegensatz zu vielen anderen Bundesländern) über der gesetzlichen Quote.
Auch in diesen sehr speziellen Bereichen der “Audioermittlung” die ganz speziellen Fähigkeiten der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu fördern ist eigentlich naheliegend. Man muss nur auf die Idee kommen!
Ich könnte mir auch sehr gut vorstellen, dass z.B. gehörlose Menschen im Bereich Lippenablesen eingesetzt werden. Ist zwar ein umstrittenes Thema, aber ein Pilotprojekt wäre es wert.
HERZLICHEN GLÜCKWUNSCH! Das ist doch die Nachricht des Tages. Christiane Link wird von der Deutschen Welle für www.behindertenparkplatz.de als Best Weblog (deutschsprachig) ausgezeichnet. Da freue ich mich. Einer meiner absoluten Lieblingsblogs, erfrischend anders, direkt, bissig und lebensnah geschrieben!
Im Namen der Polizei (ich erdreiste mich einfach mal…) meinen allerherzlichsten Glückwunsch. Ich freue mich dich zu kennen! Jetzt kann ich mich ja outen… habe auch für dich gestimmt!
Gestern Abend hatte ich ein sehr lange Unterhaltung per Skype mit einer gehörlosen Bloggerin, Judith Göller (www.gehoerlosblog.de). Sie bloggt (hat mehrere Blogs) seit Anfang 2006 und hat Riesenspaß daran.
Ich fände es sehr spannend und würde ihr gerne das Angebot machen auch mal Barcamps zu besuchen, nur hat die Sache eben den Haken, dass sie gehörlos ist und einen Dolmetscher für Gebärdensprache bräuchte. Den kann sie natürlich selber nicht bezahlen. Es gab ja schon die (Blog-)Welle mit der Forderung nach barrierefreien Barcamps, hier hat Christiane den Stein ins Rollen gebracht. Jetzt würde ich gerne konkreter werden bevor ich Judith einlade.
Unter Punkt neun hat Christiane folgendes geschrieben:
Jemand der gehörlos ist, wird von der Veranstaltung nur mit Gebärdensprachdolmetscher profitieren können. Vielleicht findet sich ja ein Sponsor, der die Dolmetscher finanziert, sofern sich gehörlose Teilnehmer anmelden.Vorher unbedingt mit den gehörlosen Teilnehmern abstimmen, wann die Dolmetscher benötigt werden!
Seht ihr eine Chance Dolmetscher für Barcamps mit in die Finanzierung aufzunehmen oder sprengt das den Rahmen? Kostenpunkt pro Stunde ca. 40-50 Euro. Sicher könnte man versuchen bei einer Zweitagesveranstaltung einen Sonderpreis auszuhandeln, aber billig wird die Sache dadurch trotzdem nicht….
Alternativ würde ich mal checken, ob es Fördermittel von Stiftungen / Wohlfahrtsverbänden (o.ä.) dafür gibt. Sponsoren wären natürlich einfacher, bei Stiftungen ist der Papierkram locker vergleichbar mit Behörden. Wenn jemand hier Verbindungen hat, bitte melden!
Und wenn einmal ein Dolmetscher da wäre, kämen wahrscheinlich einige gehörlose Web 2.0 Jünger. Also liebe BarcamporganisatorInnen, ich freue mich auf euer Engagement!
Im Rahmen des Projektes “Polizei im Umgang mit Menschen mit Behinderung” sollten 11 Studierende auf den Themenbereich Behinderung vorbereitet werden. Vorträge, Powerpoint und bunte Bilder waren da meines Erachtens nicht zielführend.
Also sollte das Thema in einer Selbsterfahrung näher gebracht werden. Diese bestand aus blindem Gehen unter eine Augenbinde, dabei geführt werden von einem anderen, blindes Gehen mit Blindenstock, Testen verschiedener Simulationsbrillen für Augenschädigungen, DVD schauen ohne bewegte Bilder, Rollstuhlfahren mit ÖPNV zu und durch die Polizeiwachen in Köln bei 8 Grad, starkem Wind und Regen und Kommunikation mit gehörlosen Menschen mit und ohne Dolmetscher.
Insgesamt eine sehr gute Erfahrung, die nach Rückmeldung aller Beteiligten auf beiden Seite neue Einsichten zu Tage gebracht hat. Wenn gehörlose Menschen berichten, dass sie auch mal ihre Ruhe haben wollen oder blinde Menschen sich über Farbe von Kleidung unterhalten oder Rollstuhl fahrende Menschen einem klar machen dass sie nicht an ihren Rollstuhl gefesselt sind, dann war das für viele neu und beeindruckend. Für mich war immer die Fragen wichtig wie “Wie ist das Gefühl die Augenbinde wieder abzunehmen? Wie ist das Gefühl aus dem Rollstuhl wieder aufzustehen? Wie ist es ohne Dolmetscher mit Gehörlosen zu kommunizieren?”
In diesem Zusammenhang fand ich den Spruch beim BFW Düren auf einer Tafel mit Brailleschrift schön:
Größer als das Schicksal ist der Mensch der es meistert!
Hier mal ein Foto eines an einen Rollstuhl gefesselten Menschen (gestelltes Foto).
Eins zum Schluss… Denkt an mehr Barrierefreiheit im Netz. Die allerwenigsten Web 2.0 Startups vergessen eine große und wichtige Zielgruppe. Gerade das Internet stellt für viele Menschen mit Behinderung eine riesige Kommunikations- und Austauschmöglichkeit dar. Das Thema barrierefreies Internet ist wichtig! Nicht erst dann wenn man persönlich betroffen ist.
Folgende E-Mail erreichte mich zu dem Projekt: “Polizei im Umgang mit Menschen mit Behinderung”
“Als blinder Fußballfan stehe ich häufig im Kontakt mit Ihren Kollegen, aber von Kommunikation kann häufig keine Rede sein, da man auf gestellte Fragen keine Antwort erhält. Z. B. beim Spiel von Bayer 04 Leverkusen gegen den FC Liverpool am 09.03.2005 fuhr ich mit dem RE von Leverkusen nach Köln zurück. Auf dem Kölner HBF standen mehrere Kollegen von Ihnen an der Treppe und richteten es so ein, dass man nur einzeln runtergehen konnte. Ich fragte mehrmals, was ich tun sollte, aber erhielt keine Antwort ein englischer Fußballfan mit Bierdunst schlug mir die Hand auf die Schulter und führte mich die Treppe hinab. Anschließend versuchte ich ein Taxi zu bekommen. Vor dem Bahnhof standen wieder Ihre Kollegen, die aus Sicherheitsgründen sich dort postiert hatten. Es gab quasi kein Durchkommen und mein “englischer Freund” war auch verschwunden, glücklicherweise gab es einen Passanten, der mir half. Nicht, dass Sie denken, ich sei wie die anderen Fans, ich gehe für mein Leben gern zum Fußball, habe aber mit den Auswüchsen wie Alkohol und Agressionen nichts zu tun. Deswegen wünsche ich Ihnen viel Erfolg mit Ihrem Pojekt und vielleicht veröffentlichen Sie das Ergebnis.
Auch wenn es eigenartig klingt, blinde Menschen gehen auch zum Fußball und treffen sich mit ihren Begleitern an Bahnhöfen wie in meinem Fall, dass ich von Hürth alleine nach Leverkusen fahre und mich dort mit meinem jeweiligen Begleiter treffe. Wohl gemerk, dass sind wenige Fälle, aber gerade dort wo blinde Menschen alleine sich zu orientieren suchen und die Umgebung dies aufgrund der Lautstärke nicht zulässt ist es sehr schwer sich zurecht zu finden. Dies ist auch der Fall, wenn in Köln Großveranstaltungen im RheinEnergiestadion sind, wie z. B. Konzerte und man plötzlich von agressiven alkoholisierten Wolfgang-Petri-Fans umgeben ist und vergessen hat, dass der spielt, da sucht man das Weite, kann es aber selten, da die Situation unübersichtlich ist. Da lobe ich mir den Weltjugendtag, da ging alles viel unsichtiger zu.”
Ich denke im Projekt gibt es viel zu tun. In den meisten Fällen würde das Vorhandensein von ein wenig mehr Bewusstsein für Menschen mit Behinderung wahrscheinlich schon ausreichen.