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20
Jan
Wer braucht denn so was? Spätertaubte und Schwerhörige nutzen diesen Servie gerne. Persönlich habe ich schon einige Vorträge gehalten bei denen neben Dolmetschern für Gebärdensprache und einer Induktionsanlage auch Schriftdolmetscher anwesend waren.
Nichts gegen den Beruf des Schriftdolmetschens, aber als ich nachher das von mir gesprochene und durch die Dolmetscher verschriftete gelesen habe, war ich sehr erschrocken. DAS soll ich gesagt haben? Nie im Leben. Ohne den Schriftdolmetschern etwas zu wollen, so schnell wie Menschen sprechen kann man nicht mitschreiben.
Das habe ich jetzt eben mehrfach selber erlebt. Oder ich hatte einfach nur Pech mit den handelnden Personen. Davon gehe ich eher aus.
Jetzt kommt aber morderne Technologie hinzu. Spracherkennung. Ok, gibt es schon länger, aber die Erkennungsleistung ist in den letzten Jahren wie auch bei der Handschrifterkennung erheblich verbessert worden. Normal gesprochene Texte, nicht besonders langsam oder extrem artikuliert gesprochen werden mit einer an 100% grenzenden Genauigkeit erkannt und verschriftet.
Und genau hier sehe ich auch eine gute Einsatzmöglichkeit für Schriftdolmetschung. Wikipedia spricht zwar schon davon dass diese Möglichkeit im Einsatz ist, aber live gesehen habe ich es noch nicht. Wahrscheinlich lassen solche Entwicklungen Berufe wie Schriftdolmetscher in ihren Grundfesten wanken. Braucht man in fünf Jahre noch Schriftdolmetscher? Braucht man in fünf Jahren noch Schreibkräfte oder sprechen wie dann schon alle mit unseren PCs?
Ich finde es schön dass IT Menschen mit Behinderung immer besser unterstützen kann, aber IT Unterstützung hat auch Nachteile. Verbände befürchten z.B., dass taktile Fähigkeiten von blinden Menschen wie das Lesen von Brailleschrift mit den Fingern zurückgeht weil man es sich ja einfacher vorlesen kann. Schöne Zukunft?
- Published by Guido in: Barrierefreiheit Internet
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3 Responses to “Schriftdolmetscher vs. Spracherkennung”
Zitat 1: “Wer braucht denn so was?”
Zitat 2: “DAS soll ich gesagt haben?”
Als Fachhändler für Spracherkennung und gleichzeitig Anbieter von Schriftdolmetschdienstleistungen will ich versuchen darauf eine Antwort zu geben:
Jeder der zwei Sprachen relativ fließend beherrscht wird manchmal bei einem gedolmetschten Text, z.B. von deutsch nach englisch, stolpern und denken: das ist aber nicht richtig übersetzt. Bei live-Übersetzungen fällt das noch mehr auf. Aber – zum Glück- die meisten Leute beherrschen eben einer der beiden Sprachen nicht oder haben nicht die Energie parallel über einen längeren Vortrag zu analysieren, wo der Dolmetscher Fehler gemacht hat. Beim Schriftdolmetschen ist das anders: der Großteil der Bevölkerung spricht, hört und kann lesen. Sogar im Nachhinein können Sie überprüfen, was da gedolmetscht worden ist. Gerade bei dem Schriftdolmetschen mit konventioneller Methode (mit 10-Finger-System/Schnellschreiben) muss zudem zusammengefasst werden, denn wie sie so richtig sagen: es kann nicht Wort-für-Wort gedolmetscht werden.
Wieviel Prozent Genauigkeit ein zertifizierter Schriftdolmetscher erreichen können muss, können Sie auf der Seite des Deutschen Schwerhörigenvereins nachlesen. Da entdecken Sie dann auch gleich: kein System kann 100% erreichen. Warum? Menschen und Maschinen sind nicht perfekt. Aber: wenn sie annehmen müssen, dass mancher hochgradig Schwerhöriger oder Ertaubter vielleicht nur 30 oder 50% von ihrem Vortrag/von dem, was Sie sagen, mitbekommt dann müssen Sie zugeben, dass selbst 70% Genauigkeit eine wesentliche Verbesserung darstellt. Wenn es ein Hörgerät gäbe, dass das bei den Betroffenen erreichen würde: die Krankenkassen würden es bezahlen (müssen)
Bis die Spracherkennung Schriftdolmetscher “überflüssig” gemacht hat, werden noch einige Jahre vergehen. Wir (die Firma Kombia GbR) haben das Schriftdolmetschen mit Spracherkennung in Deutschland eingeführt und es ist leider nach wie vor so, dass die Spracherkennung auf einen einzelnen Benutzer eingelernt werden muss. D.h. der Schriftdolmetscher ist nach wie vor nötig – als derjenige, auf den die Spracherkennung eingelernt wird, der das Vokabular der Spracherkennung vorher mit den noch nicht vorhandenen Wörtern füttert, usw.
Der große Vorteil der Spracherkennung dabei: Einen leistungsfähigen Computer vorausgesetzt ist sie so schnell wie jeder Sprecher.
Generell lässt sich aber sagen, dass jede Schriftdolmetschertechnik, welche im Moment verwendet wird ihre Vor- und Nachteile hat:
- Das Schnellschreiben (10 Finger-System mit Makrounterstützung) ist nicht schnell genug um ohne Zusammenfassung einem normalen Sprecher hinterherzukommen, dafür ist sie recht schnell einsetzbar (Laptop und Tastatur fertig)
- Die Computerstenographie ist sehr kostspielig und hat eine lange Ausbildungszeit. Computerstenographie kommt nahezu an gesprochene Sprache heran, allerdings nur bei den “Ausnahmetalenten” die die hohen Anforderungen genügen. Wenn der Dolmetscher Fehler macht kommt nur Zeichenmüll dabei heraus. Probleme gibt es auch bei phonetisch gleichklingenden Wörtern.
- Die Spracherkennung ist nach Angaben der Paulinenpflege Winnenden die schnellste Methode, dafür hat sie relativ lange Vorbereitungszeiten für den Dolmetscher und es gibt bei phonetisch gleichklingenden oder dem System unbekannten Wörtern Fehler.
Natürlich haben Sie dennoch die Möglichkeit die Spracherkennung selbst bei Ihren Vorträgen (oder was auch immer) einzusetzen. So lange nur Sie selbst reden, stellt das kein Problem dar. Nur müssten Sie dann eventuell so reden “Sehr geehrte Damen und Herren KOMMA NEUE-ZEILE ich freue mich KOMMA Sie hier heute alle begrüßen zu können PUNKT NEUER-ABSATZ” und nebenbei den Bildschirm betrachten, um eventuell auftretende Fehler zu korrigieren. Denn das tun Schriftdolmetscher.
Zitat: “Ohne den Schriftdolmetschern etwas zu wollen, so schnell wie Menschen sprechen kann man nicht mitschreiben.”
In Deutschland gibt es mehrere Systeme, die sich mit dem Schriftdolmetschen beschäftigen. Zum einen mit der handelsüblichen Tastatur und dem “Zehn-Finger-System”, dann wie schon von Daniel Nofftz beschrieben die Spracherkennung und letztlich mit Hilfe einer Stenografie-Tastatur und einer Transkriptions-Software. Die Stenografie ist eine Kurzschrift, mit der drei- bis viermal schneller geschrieben werden kann als mit der traditionellen Langschrift. Die höhere Geschwindigkeit wird durch das Anschlagen von Buchstabenkombinationen und Kürzeln erreicht. Häufige Wörter und Silben werden gekürzt. Ja, bei hoher Sprechgeschwindigkeit wird schon mal zusammengefasst.
Zitat: “Wer braucht denn so was?”
“Spätertaubte und Schwerhörige nutzen diesen Servie gerne.” Wir Schriftdolmetscher geben hörbehinderten Menschen in den unterschiedlichsten Situationen, wie Studium, Ausbildung, Gespräche mit Ärzten oder Behörden, als Kommunikationshilfe, die Möglichkeit barrierefrei am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen. m Rahmen der Kommunikationshilfe für Schwerhörige/Ertaubte/Gehörlose schreiben wir in nahezu Echtzeit das gesprochene Wort mit. Bei wichtigen Gesprächen in Ämtern, bei Ärzten und anderen Institutionen ist dies für hörbehinderte Menschen besonders wichtig. Beim Schriftdolmetschen kann ein Informationsverlust weitestgehend ausgeschlossen werden.
Die Schriftdolmetschertätigkeit lässt sich ebenfalls während der schulischen oder beruflichen Ausbildung sowie für das Studium anwenden. Selbstverständlich können die Mitschriften in Papierform oder als Datei zur weiteren Verwendung weitergereicht werden.
Der Einsatz der Schriftdolmetscher im Rahmen der Arbeitsassistenz/Kommunkationshilfe ist nach der Bewilligung durch die zuständigen Träger für den Betroffenen kostenfrei. Selbstverständlich sind wir Ihnen gern bei der Beantragung behilflich. Hörgeschädigte Studenten sind sehr dankbar, dass es Schriftdolmetscher gibt.
Hallo Herr Kanschat,
wir haben Ihre Nachricht erhalten.
Ist Ihre E-Mail Adresse kanran@web.de richtig? Weil ich Fehlermeldungen erhalte.
mfG
Rolf Wendlandt
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