Das Ziel meiner Session war ganz einfach. Bewusstsein schaffen, mit Vorurteilen aufräumen und ein wenig sensibilisieren. Was macht ein Polizist auf einem Barcamp? Diese Frage habe ich an diesem Wochenende öfter beantwortet. Teilnehmen, ganz einfach. Nein, niemanden kontrollieren oder auf die Finger schauen.
Polizei ist nicht böse, genau so wenig wie das Internet.
In meiner Session habe ich zunächst kurz erläutert, dass Polizei nicht einfach so eine Internetseite ins Netz stellen darf, sondern dass bestimmte Gesetze (BGG, BITV etc.) auch im Internet für uns Anwendung finden. Das bedeutet kurz gesagt dass wir versuchen möglichst vielen Menschen unser Angebot zugänglich zu machen. Blinde, gehörlose und motorisch eingeschränkte Menschen surfen genauso im Internet und wollen teilhaben.
Die Polizei hat das Web 2.0 erfunden
Danach habe ich die gewagte These aufgestellt, dass die Polizei das Web 2.0 erfunden hat. Nein, haben wir natürlich nicht, nur hat Polizei seit Jahren schon Anwendungen und Prozesse, die sich jetzt im Internet als Web 2.0 Applikation wiederfinden. Hier einige Beispiele:
Fotoportale
Hat Polizei schon lange, nur sind die Fotos ein wenig eingeschränkt. Von vorne, schräg von der Seite und von der Seite werden die so genannten Dreiteiler digital gefertigt und genauso digital im Rahmen einer Wahllichtbildvorlage Opfern von Straftaten gezeigt. Die Kommentarfunktion beschränkt sich allerdings auf „der/die war es“ oder „der/die war es nicht“
Videoportale
Videos hat und bekommt die Polizei natürlich viele übersandt. Sei es aus Geldautomaten wenn nicht gerade der Karteninhaber von einem Konto Geld abhebt oder auch wie im Fall des 6fach Mordes in Duisburg aus anderen Überwachungskameras. Oder auch aus den Videoeigensicherungssystemen der Polizeiwagen, die digital auf PCMCIA Festplatte speichern.
Livestream
Hat die Polizei bei jeder größeren Veranstaltung aus der Luft, vom Wasser oder auch zu Lande. Die Einsatzleitung kann ja nicht immer vor Ort sein und so müssen auch bewegte Bilder zur Einsatzleitung.
Podcast
Macht zum Beispiel die Polizei Bonn sehr erfolgreich zu verschiedenen Themen.
Videocast
Dazu haben wir in vielen Behörden um z.B. eine der jüngsten Zielgruppen zu erreichen eine Polizeipuppenbühne. Ein Beispiel findet man bei der Polizei Bonn im Internet.
Twitter
Hat Polizei doch schon seit Ewigkeiten. Unsere Leitstellen wissen immer welche Einsatzmittel (so nennt man die Streifenwagen, die Motorradfahrer, die Fußstreifen du alle anderen für Einsätze zur Verfügung stehenden Polizisten) sich gerade wo aufhalten und was sie machen. Dazu haben Fahrzeuge ein so genanntes CFMS – Computerunterstütztes Funkmeldesystem (ok, ich gebe zu der Name ist nicht so schön wie Twitter…), mit dem über bestimmte Zahlen und Buchstabenkombinationen dann über Funk der jeweilige Status durchgegeben und im Computer protokolliert wird. Und so weiß die Leitstelle immer Bescheid.
Blog
So richtige Blogs hat Polizei nicht. Es gibt aktuell nur privat bloggende Polizisten. Aber als Alternative biete ich z.B. das Presseportal der Polizei NRW an. Dort werden in der Endausbauphase (Ende 2007) bis zu 500 Meldungen am Tag eingestellt. Vom Unfall mit Fahrradfahrer bis zum Mord findet man da alles drin. Wenn euch also mal der Content ausgeht, hier ist eine wahre Fundgrube. Natürlich auch bequem über RSS Feeds (mit verschiedenen Filtern) zu abonnieren.
Google Maps
Und natürlich andere vergleichbare Dienste. Seit es Landkarten gibt werden die auch von Polizei zu Analysezwecken eingesetzt. Früher wurden diese auf Karton aufgeklebt und Unfallbrennpunkte und anderes wurden mit Stecknadeln (verschiedene Farben du Kopfgrößen) gekennzeichnet. So hatte man visuell schnell einen Überblick wo Handlungsbedarf entsteht. Als neue Möglichkeit könnte ich mir vorstellen, dass im Rahmen der Unfallprävention z.B. gefährliche Strecken für Motorradfahrer in Google Maps/Earth mit Hinweis auf tödlich verunglückte Motorradfahrer gekennzeichnet werden.
Fingerabdrücke
Nehmen wir nicht mehr mit schwarzer Farbe sondern inzwischen auch voll digital über spezielle Scanner. Spart Zeit und macht Finger nicht mehr schwarz.
Interaktion
Um z.B. Polizeibeamte auf Einsätze im Ausland vorzubereiten, gibt es ein interaktives Lernprogramm im Internet um sein Englisch zu testen und zu trainieren. Einfach mal reinschauen. Im Zweifel den Funkjoker setzen.
Bewerbung
Wäre ich eigentlich geeignet Polizist zu sein? Diese Frage kann man auch interaktiv im Internet beantworten. Ein Selbsttest checkt die Anforderungen. Sollte das Ergebnis positiv ausfallen, kann man sich natürlich online bewerben.
Internetwache
Seit geraumer Zeit unterhält die Polizei NRW eine rund um die Uhr besetzte Internetwache. Vorbeischauen und bookmarken lohnt.
Fragen?
Und wenn ihr noch Fragen habt, fragt mich oder eure Polizei vor Ort. Die Themen die ich in der Session vorgestellt habe und die nicht heir erscheinen, findet ihr in älteren Beiträgen meines Blogs.
2 com