Es gibt sie wirklich. Einarmige Banditen.
Eine Stadt in NRW Ende 2006. Ein Randalierer treibt es so weit, dass keine andere Möglichkeit besteht als in in Polizeigewahrsam zu nehmen. Da er sehr aggressiv ist, wird er durch die Polizisten gefesselt. Kurze Zeit später steht der Mann vor den Polizisten und hat auf einmal in der einen Hand seinen anderen Arm, bzw. seine Armprothese.
Das ist der Moment, in dem man sich ernsthaft die Frage stellt:
“Wie fessele ich einen Einarmigen?”
Die hervorragende Ausbildung bereitet Polizisten auf jede Menge möglicher Einsatzlagen vor. Aber wie man einen Einarmigen zu fesseln hat natürlich nicht. Und so sprach mich die Kollegin die beteiligt war auf das Thema an. “Guido, du kennst dich doch aus mit Behinderten. Wie fesselt man einen einarmigen Menschen, wie lege ich einem Menschen mit nur einem Arm Handschellen an?”
Ok, ich gebe zu, dass ich mir im ersten Moment ein Grinsen nicht verkneifen konnte weil die Situation trotz allen Ernstes doch etwas komisches hat. Und ich muss zugeben, ich weiss auch keine Patentlösung. Ich denke das Fesseln eines Menschen mit körperlichen Einschränkungen ist sehr heikel. Zum einen weil Polizei versucht eine sichere Lösung einer Ausnahmesituation herbeizuführen, zum anderen löst die Fesselung eines Menschen bei anderen Menschen immer die Frage nach dem “Warum?” aus. Wenn dieser Mensch dann auch nur einen Arm hat, dann schlägt die volle Mitleidswelle der umherstehenden Passanten auf. “Was machen sie mit dem armen Mann? Der ist doch behindert, den können sie doch nicht fesseln!”
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So lautet der Titel eines Bildbandes über Zeitgenössische Fotografie. Im Januar 2005 habe ich mir die Wanderausstellung zu diesem Bildband der Aktion Mensch in Bonn angesehen. Die Fotos bzw. das Kapitel im Bildband von Michael Bause haben mich beeindruckt. Er zeigt Menschen mit Behinderung in ungewohnten Szenen.
“Es war mir wichtig, die einzelnen Akteure meiner Inszenierungen nicht in ihrer spezifischen Persönlichkeit zu zeigen, sondern Situationen zu schaffen, in denen behinderte Menschen “Normalität” nachstellen.
Deshalb habe ich zehn behinderte junge Leute in öffentlichen Räumen wie Oper oder Gericht, Kirche oder Museum inszeniert; also an Orten oder in Institutionen, die gesellschaftliche Macht ausüben oder repräsentieren und in denen behinderte Menschen keine Chancen haben, Schlüsselpositionen zu besetzen.
Die abgelichteten Szenen sollen vertraut wirken, und doch liegen sie, das hat auch die Arbeit an den Aufnahmen gezeigt, weit jenseits dessen, was für Menschen mit Behinderung an Normalität erreichbar ist.”
So verdeutlicht Michael Bause seine Fotos.
Besonders hat mich natürlich das Foto der Demonstration inne halten lassen. Polizisten und Demonstranten in Rollstühlen.

Eine Inszenierung für ein Foto. – Und vor einigen Wochen sehe ich diese Bilder live. Demonstrierende Polizisten in Rollstühlen, an Gehwagen und in Elektrorollstühlen. Demonstriert wurde gegen die Überalterung der Polizei.
Ich möchte hier gar nicht fragen ob die demonstrierenden Polizisten in den Rollstühlen sich nicht Gedanken machen über die Wirkung ihres Handelns auf Menschen die immer auf solche Hilfsmittel angewiesen sind.
Am 23.12.2006 sagte Günther Beckstein, bayrischer Innenminister in einem Interview mit der TAZ folgendes:
“Die bayerische Polizei etwa hat die Behindertenquote letztes Jahr erhöht. Wir ermöglichen Rollstuhlfahrern das Arbeiten in der Einsatzzentrale der Polizei.”
Aber auch bei der Polizei NRW versehen viele Menschen mit Behinderung in den unterschiedlichsten Positionen ihren Dienst, insgesamt knapp 2500.
“Was ist normal?”
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