Reise
Kommentare 7

Reisebericht Pyrenäen 2015

In diesem Jahr sollte es in die Pyrenäen gehen. Ich nenne es mal „Erkundungsurlaub“. Die Pyrenäen haben eine dermaßen große Bandbreite und Vielfalt zu bieten, dass man nicht in drei Woche alles sehen kann. Wir haben uns also die Pyrenäen mal „angesehen“ und die Gegend erkundet.

Drei Wochen im Juni 2015, 5000km, zahlreiche Höhenmeter, jedes Wetter, vorwiegend aber Sonne, keine technischen Ausfälle oder Komplikationen, viele nette Menschen und verdammt viel Erholung.

Gestartet wurde in Bayern. Es ist schön in Köln zu wohnen aber Familie in Bayern zu haben, das bietet sich bei solchen Urlauben immer als Zwischenziel an. Von dort aus ging es in das Elsass. Eigentlich sollte es für die erste Übernachtung in die Schweiz gehen, aber das ist ja wirklich unfassbar teuer. Die Schweiz als Transitland ausgewählt zu haben werte ich im Nachhinein als Fehler, das Fahren dort hat mir keinen Spaß gemacht. Am Schweizer Straßenrand haben wir einem Erdbeerverkäufer eine kleine Schale Erdbeeren für 5 Euro abgekauft, Wechselkurs 1:1.

Im zauberhaften Elsass verbrachten wir die erste Nacht in einem kleinen Ort (Lutter) Nahe der Grenze und genossen in einer kleinen Auberge die dortige Küche. Ein Traum. Von dort aus ging der Weg grob Richtung Mittelmeer, wobei wir die Routenplanung durch die Pyenäen ein wenig nach dem Wetter ausgerichtet haben. Navigon hatte den Auftrag uns auf schnellstem Weg dorthin zu führen. Doch kurz nach Lutter hatte Navigon dann doch eine lustige Offroad-Einladung für uns und es ging quer durch einen Wald ohne erkennbaren Weg.

IMG_0149Der weitere Weg zum Mittelmeer war unspektakulär, es ging darum Strecke zurück zu legen. Ein wenig Kultur muss auch sein, so besuchten wir die beiden bekannten Brücken der Gegend rund um Avignon, die Pont du Gard und die  Pont d’Avignon oder korrekt die Pont Saint-Bénézet. Pont du Gard ist schon beeindruckend, was man von Avignon nicht sagen kann. Nach einem Picknick am Pont du Gard und einem kunstvollen Eis in Avignon ging die Reise weiter.

Das Mittelmeer konnte uns auch nicht in seinen Bann ziehen, zu touristisch. Zu viele Menschen, zu viel bebaut, zu wenig Natur ohne Eingriff. Also ging es von der Mittelmeerküste, von 0 Meter über dem Meeresspiegel, in die Berge. Das war dann Bereich wo ein Wow auf das nächste folgt, die Landschaft lädt einfach ein zum Verweilen. Zunächst ging es an der Küste entlang bis kurz vor die spanische Grenze, genauer gesagt in den Bereich Maureillas-las-Illas. Von da aus fuhren wir über Caramany (sensationeller Ausblick, mitten in den Weinbergen, an dortigen Lac de Caramany schöne Übernachtungsmöglichkeiten direkt am Wasser) nach Prades. Ein paar der dortigen Sehenswürdigkeiten nahmen wir mit, kamen jedoch für die Besichtigung der Abbaye Saint Michel de Cuxa leider zu spät. Villefranche, eine Mischung aus Befestigungsanlage und kleinem Dorf ist sehenswert, ein kleiner Spaziergang dort lohnt auf jeden Fall.

Der weitere Weg führte nach Andorra. Sonst würden wir wahrscheinlich nie nach Andorra fahren, aber wenn es denn schon mal auf dem Weg liegt sollte man sich dort einen Tag gönnen. Aber nicht nur die „City“, das Drumherum begeisterte viel mehr. In der Stadt kann man die üblichen Zigaretten, alkoholische Getränke in bis dahin nicht gekannten Flaschengrößen zu kleinem Preis einkaufen. Für die Nacht hatten wir uns auf 1635 Meter das Hotel Parador ausgesucht. Nicht gut ausgeschildert, Navigon hat versagt, somit war der Weg dorthin schon sehr nett. Ein bergiges Kurvenparadies mit Kehren bei denen man fast Zurücksetzten muss um die Kurve zu bekommen. Immer mehr kam der Gedanke auf „Sind wir hier richtig?“. Bis sich dann irgendwann die Straße verbreitert und das Gasthaus erscheint. Und davor stand? Ein Defender. Mit Geschichte, wie sich später heraus stellte. Das Abendessen hatte eher etwas von „Wir machen sehr hungrige Arbeiter satt“. Geschmacklich sehr gut, er steht in der Küche, sie macht den Service und die wenigen Zimmer, beide mit viel Liebe. Im Gastraum hing ein großes Bild eines alten Land Rovers. Das war der Wagen seines Vaters, der das Gasthaus erbaut hat und damit die Touristen aus dem Tal nach oben gebracht hat (Auf dem Bild ist der heutige Chef als Kind am Vorderreifen zu sehen). Damals war die Straße noch nicht ausgebaut und die Fahrt deutlich abenteuerlicher als heute. Heute brauchen sie den Defender vor allem im Winter, die Straßen werden wenig bis gar nicht geräumt. Deshalb fahren sie Reifen mit Spikes um auf den Berg zu kommen. Andorra hat, wie eigentlich fast die gesamte Pyrenäenbergwelt, eine hohe Landrover / Defenderdichte. Und bitte erste gar nicht erst versuchen, da grüßt keiner. 🙂

Von Andorra ging es dann auf die spanische Seite. Traumhaft schöne Offroad-Strecken in Katalonien, hier sind wir der Empfehlung der Zeitschrift Off Road gefolgt, die verkaufen heute noch eine CD mit einer Sonderausgabe Pyrenäen. Auf jeden Fall vorher kaufen, lohnt sich. Die Beschreibungen sind zwar manchmal „interpretationswürdig“, aber das Ziel haben wir mit allen anderen Navigationsmöglichkeiten dann immer gefunden. Ich denke alleine im katalonischen Teil kann man auch gerne einige Wochen verbringen ohne sich zu langweilen. Nach dem Abstecher in den Süden ging es weiter in Richtung Nordwest, spanische Skigebiete. Für uns: Nicht schön. Irgendwie sehen die Dörfer aus wie aus der Retorte, geschaffen mitten in den Bergen nur für den Wintertourismus, die Dörfer waren teilweise menschenleer, alles war geschlossen. Hier ist wirklich fraglich wie die Zukunft aussieht wenn der Schnee weniger wird. Die Alpenregionen machen sich wenigstens auch im Sommer mehr Gedanken. Wir kamen dann nach Vielha, auch einer dieser Skiorte, bei dem aber im Sommer zumindest ein paar Geschäfte / Restaurants / Hotels auf hatten. Übernachtet haben wir im Hotel El Ciervo. Hammer. Sehr klein, wenige Zimmer, nur Spanisch, kein Französisch (trotz der Grenznähe), von Englisch ganz zu schweigen. Aber direkt wenn man (im Sommer!) reinkommt denkt man nächste Woche ist Weihnachten. Die Weihnachtsdeko wird wahrscheinlich das ganze Jahr gar nicht weggeräumt. Das beste war aber das Frühstück. Das habe ich in noch keinem Hotel erlebt. Neben uns war noch ein anderes Paar im Hotel, aber die Küchencrew hat zubereitet als käme noch ein Reisebus. Mit sehr viel Liebe viele tausend Kleinigkeiten mit regionalem Bezug, Fingerfoodartiges Frühstück. Hammer. Alleine das war es schon wert.

Über den Col du Tourmalet ging es weiter. Die Fahrt dort hinauf und dorthin ist schon beeindruckend, man bekommt nur nein schlechtes Gewissen wenn man die ganzen Rennradfahrer überholt. Kurz vor der Gipfel haben findige Fotografen ihr Geschäftsmodell etabliert und fotografieren die sich abmühenden Rennradfahrer. Die Fahrt herunter sollte man langsam angehen lassen und die Radfahrer überholen lassen.

Damit auch wirklich gar nix schief geht stand als nächste Etappe Lourdes auf der Route. Kurzfassung: Muss man mal gesehen haben. Egal ob man an etwas glaubt oder nicht, Lourdes sollte man mal mit ein bis zwei Stunden einplanen. Alleine um zu sehen was christliches Merchandise bedeutet. Da kann man Kerzen aufstellen die nach Kilogramm berechnet werden. In den extra für Kerzen geschaffenen „Räumen“ standen Kerzen die bestimmt 80-90 Kilogramm hatten. Wahnsinn. Wir hatten Bedenken dort überhaupt irgendwo parken zu können, fanden aber direkt am Gelände einen Parkplatz. Das war wahrscheinlich dem späten Nachmittag geschuldet wo schon das meiste vorbei ist. Da war es aber sehr angenehm und fast menschenleer. Die Grotte an sich ist hochtechnisiert überwacht, wahrscheinlich möchte die Katholische Kirche live in HD und Top Tonqualität mitbekommen wenn dort ein neues Wunder geschieht. Natürlich haben wir (zu späterem Nudelkochen) Wasser aus den heiligen Quellen von Lourdes mitgenommen. Die Nudeln waren auch nicht anders als sonst…

Das nächste Ziel war dann kulinarischer Art. Espelette. Das Baskenland erkennt man schnell an den Schildern, hier hat eben jeder seine eigene Sprache. In Espelette kauft man Piment d’Espelette, oder Espelette-Pfeffer. Namhafte Sterneköche verkaufen den in kleinen Mengen in Deutschland (50g) abgefüllt für 30 Euro, in Espelette zahlt man nur ein paar Euro dafür. Wenn man in der Gegend ist, einkaufen! Kulinarisch haben wir immer geschaut wo gerade Wochenmärkte sind, da muss man keine großen Umwege fahren, wir haben uns fast ausschließlich mit Einkäufen von dort versorgt.

Im Ort selber gibt es sehr gute Restaurants, die ihre Gerichte natürlich mit dem Piment anbieten. Empfehlen können wir Sabine, die Tagesmenus ab 17,50 Euro anbietet.

Es zog uns weiter Richtung Wasser, diesmal „die andere Seite“, der Atlantik. Der hat uns wesentlich mehr in seinen Bann gezogen als das Mittelmeer, auch die landeinwärts gelegenen Seen wie der Lac de Cazaux et de Sanguinet. Superschön, gute Übernachtungsmöglichkeiten direkt am Wasser. Sehr seicht, gut für Kinder geeignet. Zum Meer hin muss man dann doch mal die größte Wanderdüne Europas gesehen haben, die Dune du Pilat. Raufklettern (ohne Treppe…) ist ein Muss, der Ausblick lohnt sich wirklich.

Der Rückweg führte dann über Perigord, eines der Zentren für erlesene Speisen, Edelpilze und natürlich die politisch nicht korrekte Foie Gras. Die Altstadt von Perigeaux ist sehenswert und bietet nette Restaurants in der Nähe des Marktplatzes.

Über den Burgund, das Elsass und Straßburg ging es dann wieder zurück nach Bayern.

Fazit: Fast jede der von uns besuchten Regionen bietet das Potential dort auch längere Zeit zu verbringen, ich denke man muss selber entscheiden wie viele Kilometer will man in einem Urlaub eigentlich zurücklegen. In drei Wochen sind über 5000km schon viel, aber die Pyrenäen liegen ja auch nicht gerade um die Ecke…

 

7 Kommentare

  1. Hi Guido,
    sehr schöner Reisebericht. Das würden wir auch mal gerne machen.
    Aber 5000 km in drei Wochen ist ne Menge.
    Da streikt leider meine Familie – vorallem die Kinder 🙂
    Viele Grüße
    Mike

    • guido sagt

      5000km ist auch schon eine Ansage, das nächste Mal entweder mit mehr Zeit oder weniger Strecke…

  2. Andreas Selling sagt

    Schöner, inspirierender Bericht! Danke! Wir waren gerade mit unserem (noch fast) neuen Defender auf Jungfernfahrt in Schottland, vornehmlich im Norden bzw. Nordwesten und auf der Isle of Skye! Das war auch ein Hammer!

    Ich habe jetzt Lust auf die Pyrenäen. Für die, die sich ein bißchen Lust auf Schottland machen wollen, habe ich hier

    https://drive.google.com/folderview?id=0B_LDsFNiOOyJZktwMFVKX2ltLUk&usp=sharing

    mal zehn Fotos eingestellt.

    Schöne Grüße

    Andreas

  3. Hallo Guido,

    die Pyrenäen sind immer eine Reise wert. Ich war bisher 2 x jeweils im Sep/Okt dort und kann es auch nur empfehlen. Insbesondere die spanische Seite ist zum Offroadfahren sehr schön und unreglementiert.

    Gruss,
    Bernd

  4. Gudrun sagt

    Wir fahren seit 15 Jahre mit Defender und auf dem Hänger Quads in die Pyrenäen. Kennen die Pyrenäen wie unsere Westentasche. Super schön.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.